UNSERE TOP 3 MARKETING-KAMPAGNEN ZUM OKTOBERFEST

Es ist wieder soweit. Die fünfte Jahreszeit in München bricht an und viele Besucher freuen sich auf das bevorstehende Oktoberfest. Doch nicht nur Besucher, auch Unternehmen machen sich dieses Event zu Nutzen um sich zu präsentieren und neue Kunden zu akquirieren.

Bierzelte und fröhliche Menschen in traditioneller Tracht beim Oktoberfest in München

Ein Prosit auf effektive Wiesnkampagnen

Das Oktoberfest beginnt in wenigen Tagen und schon seit Wochen wirbt nicht nur der Discounter oder große Dienstleister mit dem Event in München, sondern sogar der Bäcker um die Ecke hat wieder die Wiesn-Brezn im Sortiment. Doch welche Kampagnen rund um das Oktoberfest haben sich in den letztem Jahren bewährt und als effektiv erwiesen? Wir werfen einen Blick auf drei besonders gelungene.

Oktoberfest-Marketing: Mehr als Dirndl, Maß und Brezn

Am 19. September 2026 heißt es in München wieder „O’zapft is!“. Bis zum 4. Oktober findet auf der Theresienwiese das 191. Oktoberfest statt. Mehr als sechs Millionen Besucher werden auch dieses Jahr wieder erwartet. Zum Vergleich: 2025 kamen rund 6,5 Millionen Menschen auf die Wiesn, rund 21 % der Gäste stammten im Durchschnitt aus dem Ausland.

Damit ist das Oktoberfest längst weit mehr als ein Münchner Volksfest. Für wenige Wochen entsteht rund um die Wiesn eine enorme internationale Aufmerksamkeit, die sich auf Gastronomie, Tourismus, Mode, Handel und zahlreiche weitere Branchen auswirkt.

Das wissen natürlich auch Unternehmen. Bereits Wochen vor dem Anstich erscheinen Wiesn-Kollektionen, Gewinnspiele, Social-Media-Kampagnen, Special Editions und Events. Doch ein Produkt einfach mit einem blau-weißen Muster zu versehen, ist noch keine gute Marketingstrategie.

2026 geht es um etwas anderes: Marken müssen aus der Aufmerksamkeit ein Erlebnis schaffen.

Warum Großevents für Marken so interessant sind

Das Oktoberfest bringt etwas mit, das Unternehmen normalerweise mit erheblichem Marketingbudget erzeugen müssen: Aufmerksamkeit, Emotion und einen gemeinsamen kulturellen Kontext.

Millionen Menschen beschäftigen sich innerhalb weniger Wochen mit denselben Themen. Sie planen ihren Wiesn-Besuch, suchen Outfits, Restaurants und Veranstaltungen, teilen Bilder und Videos und sprechen über ihre Erlebnisse.

Für Marken entsteht dadurch ein natürlicher Anlass zur Kommunikation.

Besonders interessant ist das Oktoberfest, weil sich daraus verschiedene Marketingmechaniken entwickeln lassen:

  • Gewinnspiele und Challenges
  • exklusive Events und Erlebnisse
  • limitierte Produkte und Kollektionen
  • Social-Media-Content
  • Kooperationen zwischen Marken
  • Creator- und Influencer-Marketing
  • Loyalty-Aktionen und Member Benefits
  • Coupons und personalisierte Angebote
  • Gamification und digitale Aktivierungen

Entscheidend ist jedoch, dass die Aktion zur Marke passt. Ein beliebiges „Wiesn-Special“ schafft vielleicht kurzfristig Aufmerksamkeit, aber noch keine Kundenbindung.

Erlebnis schlägt Rabatt

Gerade beim Oktoberfest zeigt sich, wie stark Erlebnisse als Incentive funktionieren können.

Statt Kunden beispielsweise einfach 10 % Rabatt zu geben, können Unternehmen Zugang zu etwas bieten, das nicht ohne Weiteres gekauft werden kann: ein reservierter Wiesn-Tisch, ein exklusives Event, eine besondere Führung oder ein gemeinsames Erlebnis mit Freunden.

Der wahrgenommene Wert kann dadurch erheblich höher sein als der reine Warenwert des Incentives.

Genau das macht Event-Marketing auch für Loyalty interessant: Der Kunde erinnert sich nicht an den zehnten Rabattcode des Jahres. An einen besonderen Wiesn-Abend mit neun Freunden wahrscheinlich schon.

Kampagne 1: Paulaner und KINOPOLIS, das Erlebnis als Hauptgewinn

Ein aktuelles Beispiel für diese Mechanik liefern 2026 Paulaner und KINOPOLIS.

Unter dem Motto „10 Freunde. Ein Tisch. Ein unvergesslicher Tag.“ wurde ein kompletter Wiesn-Tisch für zehn Personen im Paulaner-Festzelt verlost. Zum Gewinn gehören neben der Reservierung auch zehn Hendl- und 20 Biermarken. Zusätzlich werden Paulaner Fan-Socken verlost.

Das Interessante daran ist nicht der materielle Wert des Gewinns.

Paulaner verkauft hier emotional das gemeinsame Erlebnis. Der Teilnehmer gewinnt nicht einfach Bier oder Merchandise, sondern einen Tag mit neun Menschen seiner Wahl.

Gleichzeitig funktioniert die Kampagne datengetrieben: Für die Teilnahme müssen Nutzer unter anderem Kontaktdaten angeben und können zusätzlich eine Newsletter-Einwilligung erteilen. Aus einem aufmerksamkeitsstarken Event entsteht damit ein messbarer digitaler Touchpoint.

Genau darin liegt die Stärke der Mechanik:

Aufmerksamkeit → Aktivierung → Daten → Erlebnis → Markenbindung.

Statt Reichweite lediglich einzukaufen, wird sie in eine konkrete Kundeninteraktion übersetzt.

Kampagne 2: „How to Wiesn“, wenn Kommunikation Verhalten steuert

Auch die Stadt München selbst setzt 2026 auf eine neue Form der Aktivierung.

Bereits im Mai wurde die Kampagne „How to Wiesn“ gestartet. Sie soll Besucher informieren und gleichzeitig Besucherströme besser steuern. Kommuniziert wird beispielsweise, dass ein Besuch unter der Woche entspannter sein kann, dass die Wiesn mehrere Eingänge besitzt und dass bei vollen Festzelten auch Fahrgeschäfte oder die Oide Wiesn attraktive Alternativen darstellen.

Aus Marketingsicht ist das spannend, weil Kommunikation hier nicht nur Aufmerksamkeit erzeugt, sondern gezielt Verhalten verändern soll.

Genau diese Logik ist auch für moderne Kundenbindungsprogramme relevant.

Gute Kommunikation lautet nicht:

„Hier ist unsere Kampagne.“

Sondern:

„Welche Handlung möchten wir auslösen?“

Unternehmen können dieselbe Mechanik einsetzen, um beispielsweise Kunden zu bestimmten Produkten, Services, Zeitpunkten oder Vertriebskanälen zu führen. Incentives, Kommunikation und Daten werden dann Teil einer gemeinsamen Steuerungslogik.

Kampagne 3: Höflinger Müller bringt das Produkt mit dem Erlebnis zusammen

Auch die Höflinger Müller GmbH nutzt die Wiesn 2026 für eine klassische, aber sinnvoll aufgebaute Aktivierung.

Das Unternehmen verlost drei reservierte Tische im Hacker-Festzelt für jeweils zehn Personen. Je nach Gewinn sind Einlassbändchen sowie Bier-, Hendl- und weitere Wertmarken enthalten. Die Aktion läuft vom 25. August bis 14. September 2026.

Die Mechanik ist einfach, aber effektiv: Ein regional relevantes Unternehmen verbindet seine Marke mit einem stark begehrten Erlebnis.

Gerade für Unternehmen mit regionalem Bezug kann das wesentlich glaubwürdiger funktionieren als eine künstlich konstruierte internationale Kampagne.

Denn gutes Event-Marketing muss nicht maximal groß sein. Es muss zur Zielgruppe passen.

Die Wiesn wird selbst zur Marke

Auch das Oktoberfest professionalisiert seine eigene Markenführung kontinuierlich.

Für 2026 wurde erneut ein offizielles Oktoberfest-Motiv ausgewählt. Der Entwurf von Florian Huber verbindet klassische Wiesn-Elemente wie Brezn, Maßkrug, Riesenrad und Tuba mit einer modernen Gestaltung. Das Motiv wird unter anderem auf dem offiziellen Plakat, Merchandise und dem Oktoberfest-Sammlerkrug eingesetzt.

Damit zeigt selbst das Oktoberfest, wie konsequent Markenführung inzwischen betrieben wird: Wiedererkennbarkeit, eigenes Design, lizenzierte Produkte und digitale Kommunikation greifen ineinander.

Die Bezeichnung „Oktoberfest“ genießt zudem Markenschutz durch die Stadt München. Wer die Marke kommerziell nutzen möchte, muss deshalb genau prüfen, welche Nutzung erlaubt beziehungsweise lizenzpflichtig ist.

Was Unternehmen aus dem Oktoberfest-Marketing lernen können

Nicht jede Marke braucht eine eigene Wiesn-Kampagne.

Wer keinen glaubwürdigen Bezug zum Event herstellen kann, produziert schnell austauschbaren Content: Produkt vor Karomuster, Brezn daneben, „O’zapft is“ darüber, fertig.

Das erzeugt selten nachhaltige Wirkung.

Eine gute Kampagne sollte dagegen mindestens eine konkrete Funktion erfüllen:

Sie erzeugt ein relevantes Erlebnis, gewinnt neue Kundendaten, aktiviert bestehende Kunden, verändert ein gewünschtes Verhalten oder schafft einen nachvollziehbaren Bezug zwischen Marke und Event.

Besonders interessant wird es, wenn mehrere dieser Ziele miteinander verbunden werden. Ein Loyalty-Programm könnte beispielsweise nicht einfach einen Wiesn-Tisch unter allen Kunden verlosen. Stattdessen könnten Mitglieder durch bestimmte Interaktionen Lose sammeln, Präferenzen hinterlegen, Freunde empfehlen oder definierte Challenges erfüllen. So entsteht aus einem Gewinnspiel eine Journey. Und aus einem einmaligen Event werden Daten, die auch nach dem Oktoberfest noch genutzt werden können.

Oktoberfest-Marketing braucht heute einen messbaren Case

2026 reicht es nicht mehr aus, während der Wiesn einfach sichtbar zu sein.

Unternehmen sollten vor einer Kampagne definieren, was sie tatsächlich erreichen wollen:

Geht es um Reichweite? Neue Leads? First-Party- oder Zero-Party-Data? Aktivierung bestehender Kunden? Wiederkäufe? App-Nutzung? Newsletter-Opt-ins? Referral? Oder um eine emotionale Stärkung der Marke?

Erst danach sollte die Mechanik entwickelt werden.

Das Oktoberfest liefert dafür einen außergewöhnlich starken emotionalen Kontext. Die eigentliche Arbeit besteht jedoch darin, diese Aufmerksamkeit in messbares Kundenverhalten zu übersetzen.

Fazit

Das Oktoberfest ist 2026 weiterhin eine enorme Marketingplattform – aber die Regeln haben sich verändert.

Ein Dirndl, ein blau-weißes Packaging und ein paar Social-Media-Posts reichen nicht mehr aus. Erfolgreiches Oktoberfest-Marketing verbindet das Event mit einem konkreten Kundennutzen und einer klaren Aktivierungsmechanik.

Besonders stark sind Kampagnen, die exklusive Erlebnisse schaffen und gleichzeitig Interaktion auslösen. Gewinnspiele wie die Aktion von Paulaner und KINOPOLIS zeigen, wie aus einem Wiesn-Besuch ein emotionales Incentive werden kann. Die „How to Wiesn“-Kampagne wiederum zeigt, dass Kommunikation sogar gezielt Verhalten steuern kann.

Für Unternehmen liegt genau hier das größte Potenzial: Nicht einfach auf die Wiesn aufmerksam machen, sondern die Aufmerksamkeit der Wiesn nutzen, um Kunden zu aktivieren, mehr über sie zu lernen und Beziehungen aufzubauen, die länger halten als 16 Tage.